Leitfaden: Strukturierte Eigenanamnese

Strukturierte Erhebung der Anamnese bei Personen mit Hinweisen auf subjektiven oder objektiven kognitiven Verschlechterungen. Dieser exemplarische Gesprächsleitfaden soll im Gespräch mit Patienten eine Orientierungshilfe bieten. Gerne können Sie sich diesen hier direkt ausdrucken:

Erhebung der Anamnese bei Personen mit Hinweisen auf subjektiven oder objektiven kognitiven Verschlechterungen und/oder Verhaltensänderungen.1

Teil 1: Strukturierte Patientenbefragung und erste Abklärungen

Sprechen Sie den Patienten konkret auf folgende Punkte an: 2

  • Was ist der Grund, warum Sie sich heute hier vorstellen?
    • grobe Differenzierung, ob der Patient situativ orientiert ist
  • Fokus auf ein Kernsymptom!
    • Bitte nennen Sie mir ein konkretes Beispiel, wann das Kernsymptom aufgetreten ist.
    • Was war das initiale Ereignis, bei dem Sie dachten: Das ist doch nicht in Ordnung? Konkret!
  • Aktuelle Symptome: Fragen Sie nach konkreten Situationen, die markant waren
    • Bitte nennen Sie mir eine konkrete Gegebenheit? Was? Wer? Namen von Angehörigen?
      Bei unpräzisen Angaben wie «manchmal», fragen Sie nach konkreteren Informationen.
    • Gibt es Rückmeldungen von anderen, die Ihre Defizite bestätigen?
  • Waren/sind die Ereignisse alltagsrelevant? z.B.
    • Situationen mit der Bankkarte (Code vergessen)
    • Situationen mit dem Auto (Auto wieder gefunden/sich verfahren)
    • Regelung der Finanzen (wer kümmert sich um Ihre Finanzen, immer schon?)
    • Umgang mit Haushaltsgeräten
    • Zurechtkommen im Alltag (klappt der Alltag, wenn Ihre Angehörigen im Urlaub sind?)
  • Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahmen
    • Gibt es epileptische Ereignisse in Anamnese?
    • Nehmen Sie Medikamente ein, wenn ja welche?
      • Kann der Patient die Medikamente benennen?
    • Die Medikamente geben einen guten Überblick über relevante Begleiterkrankungen, siehe Handlungsempfehlungen Prävention
  • Familienanamnese bzgl. Demenzen
    • Fragen Sie konkret nach Verwandten 1. Grades mit präseniler Demenz (d.h. vor dem 65. Lebensjahr)
  • Sind Sie schon einmal bei Neurologen/ Psychiatern vorstellig gewesen?
  • Wie ist Ihre Stimmung?
    • z.B. gut/neutral oder eher gedrückt?

Teil 2: Interpretation der Anamneseergebnisse

Nach der strukturierten Patientenbefragung und den weiteren vorläufigen Abklärungen fokussieren Sie sich auf die Interpretation der kognitiven Defizite, insbesondere anterograde/mnestische Funktionen.

  • Gedächtnisprobleme: Fokussieren Sie auf anterograd-mnestische Defizite
    • Sind diese offensichtlich?
    • Profitiert der Patient von Abrufhilfen?
  • Störung in der Orientierung, z.B. Zeitlich? Örtlich? Zur Situation?
    • Zeitliche Orientierungsstörungen sind frühe, milde Symptome, bei einer Orientierungsstörung zur Situation ist eine Alltagsrelevanz wahrscheinlich.
  • Anzeichen von Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere disinhibiertes Verhalten
  • Affektive Störungen, insbesondere depressive Symptome, z.B.
    • Fragen Sie offen nach Niedergestimmtheit und objektivieren Sie, wenn vorhanden.
    • Link zu den Skalen & Scores.
  1. DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 5.0, 28.02.2025, verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013, Zugriff am 13.03.2025.
  2. Projekt-Arbeitsgruppe Alzheimer Qualitätshandbuch der drei Berufsverbände der Fächer Neurologie, Psychiatrie und Nervenheilkunde (BDN/BVDP/BVDN). Februar 2025.

Verantwortliche für das Kapitel:

  • Prof. Dr. med. Thomas Duning
  • Prof. Dr. med. Martin Südmeyer

Redaktion:

  • Dr. Martina B. Sintzel